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Das Netzwerk Kinderrecht wächst weiter

 
 

In den vergangenen Jahren hat Novo Movimento vor allem den Auf- und Ausbau des ‚Treffpunktes Kinderrecht‘ unterstützt. Immer versucht aber das Kinderrechtszentrum Interlagos seine Projektarbeit als Laboratorium neuer lokaler Sozialpolitik zu verstehen. Es ist gut, wenn das Kinderrechtszentrum gute Projektarbeit leistet, aber es ist besser, wenn lokale Regierungsinstanzen eine breitere Finanzierung dieser Aktivitäten ermöglichen. Denn es kann nicht sein, dass Novo Movimento langfristig die lokalen Verantwortungen Brasiliens übernimmt. Es geht im Gegenteil darum, die Kinderrechtsarbeit dank eurer Solidarität zu stützen, damit sie auch lokal respektiert, anerkannt, unterstützt und erweitert werden kann. Denn Projekte sind immer kleine sozialpolitische Inseln. Damit soziale Rechte breite Wirkung erreichen können, braucht es staatliche Sozialpolitik. Und das Ziel des Kinderrechtszentrums ist es, durch Projektarbeit Sozialpolitik zu fördern und zu stärken.

 
 

Mit dem ‚Treffpunkt Kinderrecht‘ gelingt uns das schrittweise. Deshalb wendet sich die Unterstützung von Novo Movimento immer stärker dem zweiten Bein des Kinderrechts-zentrums Interlagos zu: die Stärkung eines präventiven Netzes sozialpädagogischer Initiativen innerhalb des ‚Netzwerkes Kinderrecht‘.

Ein grosser Schritt gelang uns mit der Wiedereröffnung des ‚Circo Escola‘ (Zirkusschule), wo das Kinderrechtszentrum unter einem grossen Zirkuszelt täglich sechshundert Kinder und Jugendliche begleitet. Vor zwei Monaten hat zwar ein heftiges Gewitter das ganze Zelt zum Einsturz gebracht, doch die tägliche Arbeit geht dennoch weiter. In den nächsten Wochen werden wir ein neues Zelt bekommen . . . Gleichzeitig werden in über zwanzig Favelas der Region Interlagos lokale Spiel- und Sportinitiativen begleitet. Diese kleinen Initiativen zusammen mit dem ‚Circo Escola‘ bilden das ‚Netzwerk Kinderrecht‘, das alles zusammen mehr als tausend Kindern und Jugendlichen einen geschützten Raum ermöglicht, sich ohne Gewalt und Ausbeutung zu entwickeln.

 
 

Der sechzehnjährige Patrick ist vor allem in einer Theatergruppe im ‚Circo Escola‘ aktiv. Zusammen kreieren sie ihre kleinen Theaterstücke, die immer Einblick in die Gewalt ihrer Wirklichkeit geben. Und wenn Patrick vom Leben auf der Strasse und vom Abgrund der Drogen spricht, wenn er im Theaterstück das Strassenkind repräsentiert, dann gibt er keinen auswendig gelernten Text wieder. Nein, er erzählt aus seinem Leben, er bewältigt durch das Theaterspielen seine eigene Vergangenheit. Noch vor wenigen Monaten lebte er in der offenen Drogenszene im ‚Luz‘-Quartier und lernte Daniel kennen, Mitarbeiter im Team des Kinderrechtszentrums. Sie trafen sich immer in der Perkussionsgruppe. Patrick übernahm immer die Pauke und fand langsam den Rhythmus im gemeinsam gespielten Samba. Doch noch wichtiger waren die Gespräche mit Daniel. Nach etwa drei Monaten Teilhabe an den Aktivitäten des Projektes flüsterte Patrick ganz bewegt in Daniels Ohr: „Zum ersten Mal in meinem Leben weiss ich, was eine Familie ist“.

 
 

Die Beziehung des Vertrauens war entstanden und Patrick begann aus seinem Leben zu erzählen. Seine Vergangenheit war nicht mehr einfach tabu, welche durch Drogen weggespült werden will. Patrick begann, seine Vergangenheit und Gegenwart zu verarbeiten: die häusliche Gewalt durch den Stiefvater, das Unverständnis seiner Mutter, die Flucht auf die Strasse, die Gewalt der Militärpolizei, der Absturz durch Crack, die Abhängigkeit vom Drogenhändler . . . Viel wichtiger als die Details seiner Geschichte ist die Tatsache, dass Patrick gelernt hat, nicht vor seinem Leben zu fliehen, sondern seinen Weg kritisch und selbstkritisch zu reflektieren.

 
 

Noch während vielen Wochen blieb Patrick auf der Strasse und trommelte weiter in der Perkussionsgruppe mit Daniel. Dieser suchte die Mutter von Patrick in einer Favela der Südzone von São Paulo. Als Daniel plötzlich vor der aus Brettern improvisierten Bude der Familie von Patrick stand und Dona Francisca, der Mutter von Patrick, von ihrem ältesten Sohn zu erzählen begann, flossen lange Zeit Tränen. Dann begann sie plötzlich wie ein Wasserfall zu erzählen: von der schwierigen Kindheit Patricks, wie sehr er ihr fehle, wo er denn sei, ob sie ihn nicht sehen könne . . .

Dona Francisca, Patrick und seine Geschwister haben einen Neuanfang gewagt. Patrick geht wieder zur Schule und raucht seit zwei Monaten kein Crack mehr. Jeden Morgen ist er im ‚Circo Escola‘, macht Capoeira, natürlich Perkussion, aber am liebsten Theater. Und mit seiner Theatergruppe besucht er Gemeinschaftszentren in Favelas und in Schulen der Region. Seine Botschaft ist überall dieselbe: „Lasst euch nicht fallen, glaubt an euch und an eure Zukunft!“

 
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