line
line
 
line

erste Seite

wer sind wir

unsere Organisation

Kinderrechtszentrum Interlagos

Landlosenbewegung

Infos

poetische Ecke

schreiben Sie uns!

 

Im Wechselbad der brasilianischen Realität

 
 

Die fotografischen Akzenten führen uns direkt ins starke Wechselbad der brasilianischen Wirklichkeit. Die drei Bilder illustrieren ein neues Projekt des Kinderrechtszentrums Interlagos, das im alten Zentrum der Metropole São Paulo verwirklicht wird. Es wird in Zusammenarbeit mit dem Menschenrechtsekretariat der Stadt São Paulo umgesetzt und heisst ‚Mit offenen Armen‘. Das Projekt begleitet Kinder, Erwachsene und ganze Familien in der offenen Drogenszene im Stadtviertel ‚Luz‘.

 
 

Vor Jahrzehnten war das Quartier ‚Luz‘ (was ‚Licht‘ heisst) ein bunter und dynamischer Teil des alten Stadtzentrums, der gerade neben den ersten Bahnlinien Brasiliens liegt, welche von São Paulo ausgingen. Danach wurde es dunkel im ‚Licht‘-Quartier: während der Militärdiktatur war hier die berüchtigte Folterkammer der Diktatoren. Heute ist die Folter nicht mehr versteckt in abgeschlossenen Zellen, heute ist sie für alle sichtbar mitten auf der Strasse.

In die offene Drogenszene fliehen Menschen, welche durch die immer noch sehr losen Maschen des fragilen Netzes der sozialen Sicherheit Brasiliens fallen. Alle kommen sie aus dem harten Überlebenskampf, sie sind Opfer der Gewalt, der Armut und des Elends. Einen Weg in die Zukunft können sie nicht mehr ertasten. Sie ertrinken im zerstörerischen Rauch vom Crack, einem Abfallprodukt der Kokainproduktion. Die Antworten des Staates schwanken zwischen der Begleitung durch Sozialarbeiter und der blanken Repression der Militärpolizei. Die grösste Herausforderung ist der Aufbau des Vertrauens, um mit den Kindern und Erwachsenen der Strasse ins Gespräch zu kommen. Langsam, ganz langsam soll ein kontinuierlicher Dialog aufgebaut werden. So werden kleine Lichter am undurchsichtigen Horizont der Gegenwart angezündet.

Die Mitarbeiter des Kinderrechtszentrums in dieser harten, komplexen und schwierigen Arbeit stehen jeden Tag vor neuen Herausforderungen. Doch gelingt es ihnen immer wieder, Licht ins Dunkel zu bringen. Sie schaffen geschützte Räume für ein offenes Gespräch, sie interessieren sich für die immer beeindruckenden Lebensgeschichten der Menschen, sie decken die oft verschütteten Potenziale auf und ermöglichen in konkreten Events und Aktivitäten, dass die Menschen der Strasse ihre Kraft, Energie und ihren Willen wiederentdecken, um Schritt für Schritt einen Weg aus dem scheinbar hoffnungslosen Vegetieren auf der Strasse zu finden.

 
 

Die Bilder aus diesem Projekt beschreiben klar und deutlich die Realität der durch Novo Movimento unterstützten Projekte: wir sind immer dort tätig, wo es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt. Wir bauen auf die oft verletzte, aber immer gegenwärtige Würde aller Menschen. Jeder ist ein einmaliges Wesen, und doch sind wir alle als Menschheit miteinander verbunden. Wir ringen um Gleichheit und verteidigen vor allem jene, denen systematisch der Zugang zu Würde und Gerechtigkeit versperrt wird.

Die soziale Ungleichheit ist nicht nur ein wesentlicher Teil der brasilianischen Wirklichkeit. Sie ist immer stärker eine globale Tatsache. Soziale Ungleichheit ist nicht nur eine permanente Aggression gegen die Menschlichkeit, weil sie Millionen von Menschen ausgrenzt und ins Elend drängt. Soziale Ungleichheit zerstört Lebenswege, blockiert Entwicklungspotenziale, frustiert Hoffnungen. Soziale Ungleichheit tötet.

Durch die realisierten Projekte von Novo Movimento im Kinderrechtszentrum Interlagos machen wir auf diese Wirklichkeit aufmerksam und wollen immer auch zeigen, dass die erlittene Gewalt nie das letzte Wort ist. Unsere Welt und unsere Gesellschaft sind „Produkte“ unserer Geschichte. Und wir alle sind Teil dieser Geschichte. Natürlich ist jeder von uns nur ein winziges, kleines Glied in riesigen, komplexen Zusammenhängen. Wir können deshalb sicher nicht alles verändern. Was heute ist, war langsam geworden und kann sich darum auch nur langsam weiter entwickeln. Unser Leben und unsere Welt menschlicher zu machen ist schwierig, aber immer möglich. Heute und jetzt, im dunklen ‚Licht‘-Quartier im Zentrum von São Paulo, in der Schweiz, überall.

 
Zurück zu 'Kinderrechtszentrum Interlagos'

 
Ciao