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20 Jahre Kinderrechtsstatuten in Brasilien: ein Gespräch mit Isabela Barbosa Costa

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“1989 verabschiedeten die Vereinten Nationen eine rechtlich bindende Kinderrechtskonvention“, erklärt Isabela Barbosa Costa, Mitarbeiterin des Kinderrechtszentrums Interlagos. „Und genau ein Jahr später, fünf Jahre nach dem Ende der brasilianischen Militärdiktatur (1985), wurde der Inhalt der Konvention durch die Kinderrechtsstatuten (‚Estatuto da Criança e do Adolescente‘) in Brasilien rechtsgültig“.

 

 

Die Rechte der Kinder und Jugendlichen sind also dieses Jahr gerade zwanzigjährig geworden… Doch sind die im Gesetz verankerten Rechte auch im Alltag der Kinder und Jugendlichen spürbar geworden?

 

Isabela: „Natürlich ist es ein riesiger Fortschritt, im Gesetz die Würde und die Entwicklung der Kinder als Menschenrechte verankert zu haben. So haben wir im Kampf für die Rechte der Kinder und Jugendlichen eine klare, rechtliche Referenz, der sich alle stellen müssen: die Familie, die brasilianische Gesellschaft und der Staat. Sicher haben sich verschiedene Aspekte in den letzten Jahren verbessert: der Zugang zur Schule wurde erweitert, der Staat beginnt, seine Verantwortung ernster zu nehmen. Trotzdem ist die Distanz zwischen Gesetz und Realität noch immer riesig…“.

 
 

Immer wieder hören wir hier in der Schweiz von der Gewalt und der Kriminalität in Brasilien. Auch die Jugendkriminalität ist ein immer sichtbarer werdendes Phänomen. Wie reagiert die brasilianische Gesellschaft auf diese Wirklichkeit?

 

Isabela: „Brasilien ist immer noch ein Land mit einer unglaublichen sozialen Ungleichheit. Unsere Gesellschaft ist bis heute durch die koloniale Herrschaftsstruktur gezeichnet. Soziale Ausgrenzung ist keine Randerscheinung, sondern gehört zur Grundstruktur unserer sozialen Beziehungen. Natürlich sind soziale Ungleichheit und ungerecht verteilte Lebenschancen eine Quelle für Gewalt und Kriminalität. Aus meiner Sicht gibt es eine einfache Lösung: die Verwirklichung der Menschenrechte, die heute allesamt im Gesetz verankert sind. Doch mit der wachsenden Angst der brasilianischen Elite wächst die Tendenz zu Repression und Kriminalisierung immer stärker. So wird im brasilianischen Parlament versucht, die Jugendkriminalität durch die Senkung des Strafalters zu bekämpfen. Doch eigentlich wissen wir doch alle: Pfeffer macht eine versalzene Suppe nicht geniessbarer…“

 
 

Was müsste Deiner Meinung nach in den Kinderrechtsstatuten verändert werden?

 

Isabela: Das einzige, das verändert werden muss, ist nicht der Inhalt des Gesetzes, sondern seine effektive Verwirklichung im Alltag der brasilianischen Gesellschaft. Und genau dafür setzt sich das Kinderrechtszentrum ein: durch unsere Arbeit in der Südzone von São Paulo und gleichzeitig durch unsere landesweite Vernetzung mit allen Kinderrechtszentren Brasilien. Wir versuchen, eine immer stärkere soziale Kraft zu werden, um die Entwicklung unseres Landes positiv beeinflussen zu können.“

 

 

(tuto)
 
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