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Ein Stück Land, um leben zu können

 

Gespräch mit Salete Carolo, Mitglied der nationalen Koordination der brasilianischen Landlosenbewegung (Movimento Sem Terra – MST)

 

Noch im letzten Rundbrief (Juni 2011) erzählte Salete Carollo, Mitglied der nationalen Koordination der brasilianischen Landlosenbewegung, sehr optimistisch über die Perspektiven der Landreform. Sechs Monate später ist ein grosser Teil ihrer Zuversicht verflogen. „Die Versprechen der Regierung wurden nicht eingehalten. Die Bilanz des vergangenen Jahres sagt alles: die Ansiedlung landloser Bauern blieb 2011 hinter den Resultaten der vergangenen zehn Jahre zurück“, erzählt Salete mit ernüchterter Stimme. „Obwohl die gegenwärtige Regierung der Präsidentin Dilma Rousseff eigentlich für die sozialen Anliegen sehr offen ist, bleibt die Regierung durch eine produktivistische Grundhaltung gezeichnet“, erklärt Salete weiter.

 
 

Die Regierung drückt auf Wirtschaftswachstum und meint, dass die Wirkung ökonomischer Fortschritte irgendwie immer auch ‚ganz unten‘ an der sozialen Pyramide ankommen werden. Tatsächlich läuft der wirtschaftliche Boom in Brasilien noch immer auf Hochtouren, auch wenn sich augenblicklich die Wachstumsindikatoren verlangsamen. Aber in einem Land, das durch eine äusserst ungleiche Sozialstruktur gezeichnet ist, bereichern sich die Eliten an den Wachstumswellen. Was schlussendlich ganz unten bei der ausgeschlossenen Mehrheit ankommt, ist äusserst wenig.

 

Die zentrale Priorität der Regierung bleibt das Ankurbeln des wirtschaftlichen Wachstums. Strukturelle Reformen bleiben im Wartsaal. Und dort sind sie schon sehr, sehr lange. Deutlich sichtbar werden die Konsequenzen dieser politischen Ausrichtung z.B. in der Finanzierung der Landreform, die nur in viel zu kleinen Schritten vorwärts kommt. Oder in der Umweltpolitik: „Vor wenigen Tagen hat der brasilianische Kongress das neue Waldgesetz verabschiedet“, erzählt Salete. „Abholzungen für riesige Sojamonokulturen werden durch das neue Gesetz viel weniger bestraft. Und wenn selbst das Gesetz vor ökologischen Katastrophen die Augen schliesst, dann sieht die Wirklichkeit noch viel schlimmer aus“.

 
 

Doch Salete bleibt selbstbewusst: „Nur eines ist sicher: wir geben bestimmt nicht auf. Wir werden uns weiter organisieren. Wir haben nur eine Erde, und für deren Erhalt setzen wir uns ein. Wir wollen durch die Landreform nicht nur ein Stück Land, um leben zu können. Wir wollen auch anders produzieren. Wir setzen ganz auf die biologische Produktion unserer Kleinbauernfamilien und nicht auf den Agribusiness der Monokulturen“.

 

 

Auch ohne staatliche Unterstützung ist die brasilianische Landlosenbewegung zur stärksten sozialen Bewegung Lateinamerikas gewachsen. Ein ganz spezielles Charakteristikum ist die Priorität der Aus- und Weiterbildung ihrer Mitglieder. Im ganzen Land sind eigene Schulen verteilt, die sich auf die Bildung der landlosen Bauernfamilien spezialisiert haben. Von Alphabetisierungskursen bis zur pädagogischen Hochschulausbildung bieten die Schulen der Landlosenbewegung eine riesige Palette von Ausbildungsmöglichkeiten. All diese Aktivitäten werden vom Bildungssektor der Bewegung geleitet. In den vergangenen Jahren hat NOVO MOVIMENTO den Bildungssektor punktuell unterstützt. Auch in Zukunft wird die Partnerschaft mit der Landlosenbewegung für NOVO MOVIMENTO ein wichtiges Element bleiben. Die Unterstützung spezifischer Projekte des Bildungssektors könnte wirksam erweitert werden.

 
 

„Ohne die internationale Solidarität gäbe es die brasilianische Landlosenbewegung schon lange nicht mehr“, schliesst Salete ihre Analyse. „Deshalb danken wir allen Gruppen und Organisationen, welche uns in den letzten Jahren unterstützt haben von ganzem Herzen, natürlich auch NOVO MOVIMENTO! Euer Name liegt uns ganz speziell nahe. Denn genau das suchen wir: eine ‚neue Bewegung‘, welche die so nötigen Veränderungen in Brasilien und überall vorantreibt!“.

 
(tuto)

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