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Strassenfussball-WM in São Paulo: ein anderer Fussball ist möglich!

 

Beat Wehrle (Tuto)
 


 

Chile spielt mit Ghana. Der chilenische Konter gelangt mit wenigen, schnellen Pässen vor das ghanaische Tor. Ein letzter Pass, Lúcia springt auf, prallt leicht mit dem Torwart zusammen, doch der Kopfball gelingt: Tor! Doch kein Pfiff fliegt durch die Luft und auch Lúcia jubelt nicht über ihr prächtiges Tor. Sie nimmt den Ball aus dem Netz, gibt ihn in die Hand des Torwartes und erklärt bestimmt: „Das war Foul, das Tor zählt nicht!“. Das Spiel geht weiter, die Freude steht allen im Gesicht geschrieben, Ghana und Chile spielen nicht gegeneinander, sondern freuen sich miteinander, durch Fussball einen Raum der Begegnung und des Austausches gefunden zu haben.

 
 

Dreihundert Jugendliche aus zwanzig Ländern sind an der Strassenfussball-Weltmeisterschaft in São Paulo zusammengekommen. Sie alle kommen aus sozialen Projekten und praktizieren Strassenfussball. Bei jedem Spiel werden gemeinsam die Regeln bestimmt und nach der Spielzeit wird miteinander die Verteilung der Punkte diskutiert. Nicht nur Tore zählen, sondern auch Fairness, Beteiligung, Einhaltung der Regeln. Die Teams sind immer gemischt, einen Schiedsrichter gibt es nicht. Erfahrene Jugendliche begleiten die Spiele als Mediatoren und helfen den beiden Teams beim Prozess der selbstbestimmten Entscheidungen. Im Zentrum stehen nicht millionenschwere Einkommen, Einschaltquoten oder kommerzielle Sichtbarkeit. Das Herz des Strassenfussballs ist das Lernen von Konfliktbewältigung durch Dialog und Konsensbildung, die Stärkung der Eigenverantwortung, das Erleben der gemeinschaftlichen Kraft, die Verwirklichung einer Kultur der Gewaltlosigkeit und des Friedens.

 
 

Rafael lebt in einem Armenviertel in Lima, Peru, und freut sich über die einmalige Möglichkeit, mit anderen Jugendlichen am internationalen Strassenfussballnetz zu knüpfen. Lynde aus Port Elizabeth in Südafrika erzählt aus dem harten Leben in den Townships und von den oft durch Armut und Ausgrenzung zerstörten Familien. Vanguardia aus Manila, Philippinen, bestätigt, dass viele Jugendliche durch Spiel und Sport den Weg aus der Kinderprostitution finden. Die Jugendlichen aus Sierra Leone und aus Israel beschreiben ihren Traum, endlich Krieg und Gewalt zu beenden.

 
 

In den nächsten Tagen geht die Fussball-WM in Brasilien zu Ende. Auch die Strassenfussball-WM in São Paulo steht kurz vor ihrem Abschluss. Doch hier gibt es nicht Gewinner oder Verlierer. Pedro aus Bolivien fasst zusammen: „Oft werden wir Jugendliche als Ursache der gesellschaftlichen Gewalt dargestellt. In vielen Ländern werden wir systematisch kriminalisiert. Immer wieder fühle ich mich klein und schwach, unsere Wirklichkeit zu verändern. Durch den Strassenfussball lernen wir, selber aktiv zu werden und uns zu vernetzen. Wir gehen gestärkt nach Hause, fühlen uns weniger alleine und werden miteinander an der Multiplikation unserer Hoffnungen arbeiten!“.

 

 
Ciao