line
line
 
line

erste Seite

wer sind wir

unsere Organisation

Kinderrechtszentrum Interlagos

Landlosenbewegung

Infos

poetische Ecke

schreiben Sie uns!

 

Die Formel 1 in Interlagos

 
Beat Wehrle (Tuto)

 

Obwohl die neuen V6-Motoren viel weniger laut sind, höre ich dennoch im Hintergrund das Dröhnen der Formel 1, die alle Jahre wieder in Interlagos dem Erfolg und Gewinn nachrast. Gleichzeitig schneidere ich meine Sätze zusammen, um Euch von den Impressionen dieses intensiven Jahres zu erzählen.

Eigentlich verrückt: nach der Fussball-WM ist die Weltöffentlichkeit schon wieder mitten in São Paulo. Die Welt wird immer kleiner, Distanzen lösen sich auf und São Paulo ist schon wieder in eurer Stube. Der immer hungrige Markt und die engen Maschen der globalen Kommunikationsnetze reduzieren Distanzen und beschleunigen die Zeit. Die Welt wird kleiner, schneller, hektischer.

Doch gleichzeitig bleibt die Welt so gigantisch gross, dass Millionen von Menschen unsichtbar bleiben. Auch vom Tempo der modernen Entwicklung ist bei der ausgegrenzten Mehrheit der Menschen nichts zu spüren. Bei ihnen steht die Zeit still, und ihr Hoffen auf Gerechtigkeit wartet auf eine Antwort.

 
 

Wenige Meter neben der Bühne des Formel 1-Zirkus kämpfen unzählige Familien ums Überleben. Sie sind ausgeblendet vom Blick der Kameras, die trotz unglaublicher Tiefenschärfe blind bleiben für die wesentlichen Spuren der menschlichen Wirklichkeit.

Maria do Carmo taucht wie ein Blitz in meinen Gedanken auf. Ihr improvisiertes Zuhause klebt an der Mauer des Autodroms von Interlagos. Sie erzählte mir kürzlich über den schweren Alltag ohne Wasser. In São Paulo hat es während mehr als einem Jahr kaum geregnet. Das Wasser ist knapp geworden, oft kommt kein Trinkwasser mehr bis in die Favelas. Und wenn das Wasser wieder ruckweise durch die Röhren fliesst, ist es arg mit Chlor beladen. „Doch das hat auch was Gutes“, lächelt Maria do Carmo ironisch. „Wenn wir Wasser haben, gebe ich meinen Kindern vor dem Schlafen ein Glas, und alle sind überglücklich über die chlorweisse Flüssigkeit, denn sie meinen es sei Milch“.

São Paulo und Brasilien fassen das Elend unserer Welt in brennender Dringlichkeit zusammen: Wir verfügen über Wissen und Mittel, um die Würde aller Menschen zu schützen und unsere gemeinsamen Lebensgrundlagen zu bewahren, doch das dominante Zentrum des menschlichen Strebens bleibt die irre Suche nach schnellem Profit und unbegrenztem Wachstum: ein Wahn ohne Sinn.

 

 
Ciao