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25 Jahre Landlosenbewegung!

Gespräch mit João Pedro Stedile, Mitbegründer der brasilianischen Bewegung landloser Bauern - Movimento Sem Terra (MST)
 

 

Die brasilianische Landlosenbewegung ist 25 Jahre alt geworden…

 

Die Landlosenbewegung existiert, weil soziale Fragen ohne Lösung bleiben und der Zugang zu den Menschenrechten nicht gesichert ist. Darum organisieren sich soziale Bewegungen wie die brasilianische Landlosenbewegung und fördern ihre Kraft in der Vereinigung der gemeinsamen Stärke. Der Werdegang der Landlosenbewegung ist Frucht eines langen Weges der Bewusstseinsbildung und wurde möglich durch die Unterstützung und die Solidarität von Kreisen der Kirche, von Gewerkschaften und unzähligen Organisationen aus der ganzen Welt. Wir existieren seit 25 Jahren, weil das internationale Netz der Solidarität und der Zusammenarbeit uns stärkt und Kraft gibt. Wir danken allen für die unzähligen Zeichen der Verbundenheit.

 
 

Am Anfang der Existenz der Landlosenbewegung standen viele Besetzungen von brachliegenden Grossgrundbesitzen…

 

Für uns ist die Besetzung des ungerecht verteilten Landes ein Mittel, durch welches das organisierte Volk auf die Regierung Druck macht, um die Landreform zu verwirklichen. Die Lösung ist so einfach: es genügt, die brasilianische Verfassung ernst zu nehmen, sie in der alltäglichen Wirklichkeit umzusetzen und die vorgesehene Landreform zu realisieren. Wenn die Landreform gemacht wird, gibt es keine Besetzungen mehr. Doch bis heute wurden Familien nur angesiedelt, weil sie Land besetzt haben. In diesem Sinn existiert in Brasilien bis heute keine Landreform, sondern nur ein hilfloser Versuch, lokale Konflikte zu reduzieren. Die Schuld der Besetzungen ist also nicht unsere, sondern sie sind Konsequenz der Unterlassung des brasilianischen Staates. Selbst verschiedene Richter des höchsten brasilianischen Gerichtshofes haben erklärt, dass Landbesetzungen kein Verstoss gegen das Gesetz sind, sondern ein legitimes Mittel zur Verwirklichung eines Rechtes des Volkes darstellen.

 
 

Trotzdem besteht eine wachsende Tendenz der Kriminalisierung der Landlosenbewegung…

 

Natürlich! Die gesetzlich verankerte Landreform steht in klarem Widerspruch zu den bis heute dominanten Herrschaftsstrukturen, welche tief durch die Vertikalität einer immer noch kolonialen Organisation der Gesellschaft gezeichnet sind. So sind jene, welche für die Rechte des Volkes kämpfen nicht gerne gesehen… Doch nicht die Landlosenbewegung hat den Kampf um die Landreform erfunden. Wir sind ein Glied in einer langen Geschichte. Als im Landgesetz von 1850 der koloniale Grossgrundbesitz institutionalisiert wurde, kamen die ersten Landbesetzungen auf. Und der Kampf um die Landreform wird weiterbestehen, solange wir einerseits 30 Tausend Grossgrundbesitzer und andererseits 4 Millionen landlose Familien haben. Gleichzeitig sind weitere 11 Millionen Familien von Sozialprogrammen der Regierung abhängig.

 
 

Weniger als 1% der Landbesitzer haben 46% des brasilianischen Bodens in ihre Hände gebracht. Und gerade weil wir uns für die Veränderung eines Jahrhunderte alten, strukturellen Problems einsetzen, wird der soziale Kampf der Landlosenbewegung weiter kriminalisiert… Doch wir geben nicht auf! Mit der brasilianischen Gesellschaft wollen wir diskutieren, wie die Landreform verwirklicht und wie die Wirtschaftskrise überwunden werden kann. Wir kämpfen weiter für eine umweltschonende Lebensmittelproduktion, für den Erhalt des Bodens, des Wassers und der Biodiversität. Wir setzen uns ein für die Nahrungsmittelsouveränität, d.h. für den Aufbau eines tragfähigen Binnenmarktes, eine Landwirtschaft also, welche die Grundbedürfnisse des brasilianischen Volkes sichert und nicht auf Export und Welthandel ausgerichtet ist.

 
 
 
 
 
Bilder: Douglas Mansur (Nationales Treffen der Landlosenbewegung in Sarandi - Rio Grande do Sul - Januar 2009)
(tuto)

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