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Leben und Werden der Landlosenbewegung (1): Einleitung

 

Dieser kleine Text ist eine kurze Zusammenfassung des Lebens und des Werdens der brasilianischen Landlosenbewegung. Gleichzeitig ist er Ausgang zu weiterführenden Texten und Bildern, welche uns das alltägliche Arbeiten und die stets gegenwärtigen Herausforderungen der Landlosenbewegung näher bringen. Diese in den nächsten Wochen entstehende Sequenz wird unter dem Titel „Leben und Werden der Landlosenbewegung“ versammelt.

 
 

In einem Land mit 186 Millionen Einwohnern mit einer Gesamtfläche von 850 Millionen Hektaren und nur 42 Millionen Hektaren durch Ackerbau bebautes Land (5%), verfügen 1% der Landbesitzer über 55% des Bodens. Wie alles in Brasilien ist auch das Land ganz und gar ungleich verteilt: ganz wenige mit unendlich viel Land, und unzählige Menschen mit kaum einem Flecken, um zu überleben und sich in menschlichem Werden entwickeln zu können.

 
 

Alle Versuche, in Brasilien eine Landreform zu realisieren, sind im Laufe der Geschichte an den kolonialen Herrschaftsstrukturen gescheitert. Doch weil kein auch noch so langer Winter dem sich aufbäumenden Frühling widerstehen kann, brechen tot geglaubte Samen immer wieder neu auf. 1984 gründen landlose Bauernfamilien im Rio Grande do Sul, dem südlichsten Bundesstaat Brasiliens, die Landlosenbewegung.

 
 

Wenige Jahre später ist sie im ganzen Land präsent und wird zur stärksten sozialen Bewegung Lateinamerikas. Trotz aller Repression halten sich die landlosen Bauernfamilien an ihrer Bewegung als einzigem Faden der Hoffnung fest. Sie besetzen brachliegendes Land und bieten der Willkür der brasilianischen Justiz, der Gewalt der Militärpolizei und der Brutalität der Privatmilizen der Grossgrundbesitzer die Stirn. Das Wagnis der Besetzung ist für die Landlosenbewegung die einzige Möglichkeit, die zwar im Gesetz verankerte Landreform einzufordern.

 
 

Der Kampf ums Land ist hart, doch durch die Kraft des gemeinsamen Widerstandes erreichen die Familien vereinzelte Enteignungen und erste Ansiedelungen. Sie organisieren sich in Kooperativen, bearbeiten ihr Land in vielfältigen Formen der Zusammenarbeit, suchen Wege direkter Kommerzialisierung ihrer Ernten und arbeiten an der Verwirklichung einer ökologischen Landwirtschaft.

 
 

Sie beschäftigen sich mit dem Aufbau von Schulen, organisieren Kurse und Ausbildungen für die Jugendlichen, ermöglichen den ehemals landlosen Bauernfamilien den Zugang zu professioneller Weiterbildung, suchen Antwort auf die Bedürfnisse der Gesundheit, der Kommunikation und der Stellung der Frau. Menschen, die an der alltäglich gelebten Folter materieller Armut zu zerbrechen glaubten, die ins scheinbar endlose Loch entmenschlichenden Elendes zu fallen meinten, stehen auf, glauben an eine menschlichere Zukunft und kämpfen für ihre Rechte.

 
 

Zwar ist die Landlosenbewegung eine in ganz Brasilien organisierte, soziale Bewegung, und doch sind die vereinigten Bauernfamilien dennoch nur eine kleine Minderheit, welche um die Veränderung der strukturellen Ungerechtigkeit kämpft. Es ist ein schwerer Weg, mit Erfolgen und schrittweisem Vorwärtskommen, doch auch voller Rückschläge im Angesicht der weit überlegenen Strukturen ungerechter Machtverteilung. Deshalb ist der symbolische Ausdruck der Hoffnung, der Zuversicht, des Vertrauens in die menschliche Solidarität von fundamentaler Wichtigkeit. Der ungebrochene Kampf der Landlosenbewegung ist nur möglich, weil eine Mystik des Widerstandes und ein Glauben an mögliche Veränderungen den Menschen Kraft geben, als kleine Samen das Spriessen in mitten eines tobenden Gewitters trotzdem zu wagen.

 
 

So ist die Landlosenbewegung im wahrsten Sinn des Wortes eine BEWEGUNG… immer auf der Suche nach der Verwirklichung der Landreform… doch immer auch auf dem Weg in Richtung gesellschaftlicher Veränderung: in Brasilien und im globalen Süden, im weltumspannenden Netz der sozialen Bewegungen und der Organisationen der internationalen Solidarität.

 

 
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Bilder: Douglas Mansur
(tuto)

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