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Die fundamentalsten Menschenrecht sind nicht selbstverständlich!

Weniger als fünfhundert Meter vom Autodrom von Interlagos entfernt, lebten seit Jahren über hundert Familien direkt unter einer Starkstromleitung. Natürlich ist das ganz und gar kein idealer Ort. Doch die Familien lebten auch nicht dort, weil ihnen die spezielle Geografie ganz besonders zusagte, sondern weil sie ganz einfach keinen anderen Fleck hatten, um zu sein, zu wohnen und zu leben.

Ende März klopfte plötzlich das kantonale Unternehmen, welches zuständig ist für die Stromverteilung, bei den Familien an die Türen. Sie wollten kein Gespräch mit den Menschen, sondern gaben ganz einfach ihren Beschluss bekannt: bis am Mittag ist das Grundstück geräumt! Die imposante Gegenwart des Polizeiapparates machte den Familien klar, dass die Bedrohung kein Spass war. Die Favela wurde geräumt, und die Familien blieben auf der Strasse.

Und dort sind sie bis heute. Über dreihundert Kinder leben in absolut unmenschlichen Bedingungen, ohne Wasser, ohne Strom, ohne sozialen Schutz.

Vor dieser absurden Verletzung der fundamentalsten Menschenrechte konnte das Kinderrechtszentrum nicht schweigen. Mit den Familien versuchte Luciana und Claudio, die beiden Rechtsanwälte des TREFFPUNKT KINDERRECHT (soziale, psychologische und juristische Beratungsstelle des Kinderrechtszentrums Interlagos), mit Kanton und Gemeinde zu verhandeln. Der Kanton sagte, er habe mit der Angelegenheit nichts mehr zu tun. Familien auf der Strasse seien eine Angelegenheit der Gemeinde. Die Gemeinde ihrerseits wusch sich die Hände mit der Begründung, die Familien seien vom Kanton vertrieben worden.

Verhandlungen brachten nichts in Bewegung: und die Familien blieben weiter auf der Strasse. So ging das Kinderrechtszentrum zur Staatsanwaltschaft, um für die Anliegen der Familien eine Lösung zu finden. Auch die Staatsanwaltschaft versuchte verschiedene Verhandlungen, doch alle Gespräche führten zu keinen konkreten Schritten.

Auf Antrag des Kinderrechtszentrums hat die Staatsanwaltschaft schliesslich gestern (05.09.05) sowohl die Gemeinde als auch den Kanton (Bundesstaat São Paulo) vor Gericht angeklagt. Die Chancen den Prozess zu gewinnen stehen äusserst gut. Und wenn alles rund laufen wird, bekommen Kanton und Gemeinde eine Frist von zehn Tagen, die Probleme der Kinder und der Familien zu lösen.

Nicht nur für die Familien ist dies ein Zeichen der Hoffnung. Kanton und Gemeinde auf die Bank der Angeklagten zu bringen, entspricht für die Familien und für den TREFFPUNKT KINDERRECHT einem riesigen Erfolg. Doch die Konsequenzen werden sehr bald kommen. Bereits hat die Gemeinde das Kinderrechtszentrum bedroht, verschiedene Verträge zum Unterhalt sozialer Dienste zu kürzen. Dennoch bleiben wir uns selber treu: wir sind ein Zentrum, das die Rechte der Kinder und Jugendlichen verteidigt. Und trotz aller möglichen Bedrohungen, werden wir an dieser Arbeit weitermachen. Immer klarer wird, wie wichtig die juristische Beratungsstelle des Kinderrechtszentrums ist! Im Augenblick ist die Angelegenheit in aller Presse und das gibt uns etwas Rückendeckung, weiterzugehen auf dem eingeschlagenen Weg.

(Folha de São Paulo, Dienstag, 6. September 2005, Seite C8)

(tuto)

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