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TREFFPUNKT KINDERRECHT oder die unermüdliche Arbeit des Kinderrechtszentrums von Interlagos (São Paulo, Brasilien) zur Sicherung der Würde der Kinder und Jugendlichen

 

Das Traumland Brasilien

Das Traumland Brasilien kennen wir doch alle. Die leuchtend dunklen Sonnenuntergänge mit Palmen am grenzenlosen Sandstrand; das reife Grün des endlos scheinende Urwaldes mit dem sich langsam schlängelnden Amazonas; die Menschen mit ihrem vibrierenden Samba, dem tobend farbigen Karneval und dem überzeugend spielerischen Fussball. Und besser noch kennen wir Brasilien ganz einfach aus unserer Kaffeetasse. Ja, Brasilien ist Stoff für Reiselustige, Sonnenhungrige, Badedurstige und Exotiksüchtige.

Dies jedoch ist nur eine Seite, unsere Seite. Das Brasilien der Brasilianer ist ganz anders. Brasilien ist das Land der schreienden Gegensätze, die weltweit zum Schweigen gebracht werden, versteckt und verdrängt. Da stehen Hochhäuser mit künstlich aus der Fassade sprudelnden Wasserfällen neben Holzbaracken, die nicht einmal Wasser zum Trinken haben. Hinter den steril spiegelnden Glaswänden der grosszügig projektierten Wolkenkratzer kämpfen Menschen in der Enge der Favelas ums Überleben. Da läuft der polierte Geschäftsmann durch die gleichen Strassen wie der Familienvater, der mit seinem Mindestlohn die nach Essen schreienden Kinder nie genug sättigen kann. Überfluss steht Eckel erregend neben Armut und Elend.

Die versteckte Wirklichkeit Brasiliens

Die Wirklichkeit Brasiliens ist nicht einfach ein brasilianisches Problem. Ist nicht Konsequenz tropischer Inkompetenz der lokalen Regierungen. Ist nicht Frucht der müssigen Weltanschauung der Menschen südlich des Äquators. Brasilien ist das Produkt jahrhundertlanger Kolonisation, welche Herrschaft und Ausbeutung zu den normalen Beziehungsmechanismen zwischen Menschen erklärt. Armut und Elend sind die Folge einer globalen Logik, welche Fortschritt mit der rücksichtslosen und schonungslosen Bemächtigung der Welt und des Lebens identifiziert.

Und da stehen wir - scheinbar ohnmächtig und einsam - im Kinderrechtszentrum Interlagos, am südlichen Rand von São Paulo, ein Stadtteppich mit achtzehn Millionen Menschen. Wir arbeiten mit Basisgemeinden und Volksbewegungen und setzen uns ein für das vermeintlich absolut Selbstverständliche: das Leben der Menschen, die Würde und die Rechte der Kinder und Jugendlichen.

Die Arbeit des Kinderrechtszentrums Interlagos

Das Kinderrechtszentrum Interlagos begleitet Kinder und Jugendliche in sozialen, familiären und persönlichen Notsituationen, arbeitet mit Familien am Aufbau alternativer Überlebensstrategien, geht vor gegen Kinderarbeit, gegen Misshandlung von Kindern und Jugendlichen, prangert an die Absenz des staatlichen Schutzes und wagt, aufzustehen gegen die nackte Gewalt der lokalen Militärpolizei, des verfilzten Drogenhandels und der frei waltenden Todesschwadronen. Mitten in der alltäglichen Gewalt finden die Kinder und Jugendlichen im Kinderrechtszentrum einen Ort der Ruhe und des möglichen Friedens. Sie mahlen, machen Graffiti, üben Theater, fotografieren ihre Wirklichkeit. Sie suchen den schwierigen Weg zurück in die Familie und in die Gemeinschaft, auf der Suche nach einem Platz in der Schule, einer möglichen Berufsausbildung oder einer angepassten und würdigen Arbeit.

Das Herz unserer Arbeit: TREFFPUNKT KINDERRECHT

Ein grosser Teil der gemachten Arbeit des Kinderrechtszentrums wird möglich durch Verträge mit den lokalen Regierungen. Gleichzeitig ist jedoch das Kinderrechtszentrum Anlaufstelle aller möglichen Verletzungen der Rechte der Kinder und Jugendlichen. Darum kreisen alle Aktivitäten des Kinderrechtszentrums um den TREFFPUNKT KINDERRECHT, der als soziale, psychologische und juristische Beratungsstelle das Herz der Arbeit des Zentrums darstellt. Der TREFFPUNKT KINDERRECHT arbeitet vernetzt mit den verschiedenen Projekten und ist die Eingangstür für Familien, Kinder und Jugendliche: Kinder, denen ein Platz in der Schule verweigert wird; Jugendliche, die durch die Militärpolizei bedroht werden; Mütter und Kinder, die unter der Gewalt des "Vaters" leiden; Kinder und Jugendliche, die sexuell missbraucht werden...

In unzähligen Fällen ist es der Staat selber, der die Rechte der Kinder und Jugendlichen verletzt. Und so ist klar, dass der TREFFPUNKT KINDERRECHT vom brasilianischen Staat nicht unterstützt wird. Deshalb zählt das Kinderrechtszentrum auf die Solidarität von Euch, um diese Arbeit in unabhängiger Weise weiterführen zu können. Darum ist dem Kinderrechtszentrum die Beteiligung an der Adventsaktion der Peter und Paul Pfarrei auch so wichtig. Sie zeigt, wie Menschen sich weltweit verbinden und gemeinsam auf dem Weg sind.

Die Gemeinsamkeit macht uns stark

So verwirklichen wir in der Kraft des alltäglichen Lebens die Gewissheit, dass "im Anfang der Logos ist" (Johannes 1,1). "Logos" ist nicht allein "Wort", sondern meint generell "Beziehung". Der Anfang ist Beziehung, Gemeinsamkeit in bereichernder Verschiedenheit, die offene Geselligkeit der Lebenden und des Lebendigen. Wir glauben nicht an den ausschliessenden Wettbewerb der kapitalistischen Leistungszivilisation. Wir vertrauen nicht der unsichtbaren Hand des Marktes und bauen nicht auf dem ewigen Kampf um die Macht des Stärkeren, dem unerbittlichen Wettstreit gegeneinander.

Das Gegeneinander kann ein Miteinander werden. Das Zusammenspiel differenzierter Vielfalt wird lebendige Ganzheit und verwirklicht Gerechtigkeit als Prozess des immer erneuten Auswägens von Rechten und Pflichten, von Bedürfnissen und Befriedigungen (cf. Kurt Marti). An dieser lebendigen Ganzheit arbeiten und bauen wir gemeinsam, jeder von uns an seinem je eigenen Ort. Und die Adventsaktion ist Ausdruck der Gewissheit, dass wir nicht ohnmächtig sind, und dass wir nicht einsam und allein unterwegs sind. Unsere Gemeinsamkeit gibt uns Mut zur Hoffnung!

(tuto)

Menschenrechte sind nicht selbstverständlich: aus der Arbeit des ‚TREFFPUNKT KINDERRECHT'

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